Freitag, 8. Juli 2011

Im Streit mit mir selbst

Die gemeinsten Streiche spiele ich mir immer selbst. Gestern Abend zum Beispiel, als ich beschlossen habe, wegen des schönen Wetters auf ein Taxi zu verzichten und stattdessen zu Fuß den Weg vom einen Lokal ins Andere zu bestreiten. Auf den ersten paar Metern fühlte ich mich wunderbar. Die laue Abendluft streichelte meine Haut und alles war so wunderbar leicht. Fünf Minuten später tropfte mir der Schweiß von der Stirn und meine Stimmung kippte von sommerlich-unbeschwert in eine garstige Mischung aus Selbsthass und einem generellen Unverständnis mir selbst gegenüber. „Warum bist du nicht in ein Taxi gestiegen“, „Zu blöd, diese Gelatsche bei 30 Grad Außentemperatur“ und ähnlich Konstruktives bildeten den Tenor meiner negativen Selbstmanipulation. Zu allem Überfluss bin ich dann auch noch einen ziemlichen Umweg gegangen, weil ich schon vor Beginn meines Fußwegs eine fixe Route im Kopf hatte, und ich ziemlich unflexibel bin, wenn es darum geht meine spontanen Pläne spontan zu ändern. Statt die abendlichen Sommereindrücke auf mich wirken zu lassen und mich eines schönen Wiens im Sommer zu erfreuen, war ich stinksauer auf mich selbst. Ich hatte mich höchst erfolgreich selbst geärgert.

Und irgendwie ist das ein roter Faden in meinem Leben. Vor einem Jahr habe ich mich dafür entschieden, mich beruflich so zu verändern, dass ich mir meine Zeit frei einteilen und ich zum größtmöglichen Teil das tun kann, was ich wirklich tun möchte. Finanziell, und das habe ich damals schon gewusst, war das kein ratsamer Plan. Trotzdem habe ich mich dafür entschieden. Aber ehrlich, mein Kontostand treibt mir die Tränen in die Augen. Und dann ärgere ich mich so über mich selbst, dass ich darüber ganz vergesse das zu genießen, wofür ich diesen Weg eigentlich eingeschlagen habe: meine Unabhängigkeit.

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